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mehr über die Wiederkunft und die Entrückung

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Die Entrückung der Gemeinde

- Was sagt die Schrift? -

Bernd Grunwald

Einführung

Die Eschatologie, d. i. die Lehre von der Endzeit war viele Jahrhunderte lang sehr vernachlässigt worden. Man war im Allgemeinen der Auffassung, dass das irdische Volk Gottes, das Volk Israel, keinerlei Zukunft mehr haben würde und demzufolge alle Vorhersagen der Bibel im Blick auf die Zukunft ausschließlich die Gemeinde Jesu beträfen. Sogar die Reformatoren waren noch von dieser falschen Vorstellung geprägt. Erst die Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts führten zu einem tieferen Verständnis nicht nur bezüglich der Wahrheiten über die Gemeinde sondern auch bezüglich der Wahrheiten über das irdische Volk Israel und der diesem Volk gegebenen irdischen Verheißungen. Das in dieser Zeit sehr systematisch und sehr sorgfältig betriebene Bibelstudium führte zu einer völlig anderen Sicht zukünftiger Dinge. Man erkannte, dass Gottes Heilsplan verschiedene Abschnitte (Haushaltungen) des Handelns Gottes mit den Menschen beinhaltet. Der aus der Brüderbewegung stammende Dispensationalismus (d.h. die Lehre von den Haushaltungen) war zunächst sehr umstritten. Doch diese Sicht hat sich inzwischen auch in anderen Kreisen durchgesetzt. Die geschichtliche Entwicklung Israels (z.B. die Staatengründung im Jahre 1948 etc.) hat sicher viel dazu beigetragen. Die Ereignisse in und um Israel haben vielen Christen die Augen geöffnet und ihnen auch ein neues Verständnis biblischer Zukunftsaussagen gegeben. Heute sind zumindest die Grundlinien der Haushaltungslehre bei den wiedergeborenen Christen allgemein als richtig und zutreffend anerkannt. Heute wird kaum ein ernst zu nehmender Christ mehr behaupten, die in der Bibel enthaltenen Vorhersagen beträfen ausschließlich die Gemeinde und hätten mit Israel überhaupt nichts mehr zu tun.

Die Mehrheit der wiedergeborenen Christen ist inzwischen auch der Auffassung, dass die Bibel von einem wörtlich zu verstehenden 1000-jährigen Reich, in dem Christus auf Erden regieren wird, redet. Ausgehend von dieser Erkenntnis können wir nach den Vorhersagen der Bibel die Zukunft wie folgt beschreiben: Das nächste Ereignis in Gottes prophetischem Kalender wird die Wiederkunft Jesu sein. Diese Wiederkunft vollzieht sich in zwei Phasen:

· Phase a: Kommen Jesu zur Entrückung der Gemeinde. Jesus wird dabei den Erdboden nicht betreten, sondern die Gläubigen werden ihm entgegengerückt in die Luft und anschließend wird die Gemeinde zusammen mit ihrem HERRN in den Himmel eingehen.

· Phase b: Das sichtbare Kommen Jesu in großer Macht und Herrlichkeit mit dem Ziel, das 1000-jährige Reich auf Erden aufzurichten. 

Zwischen Phase a und b des Kommens Jesu wird eine Zeit von mindestens 7 Jahren liegen. In dieser Zeit findet die so genannte Drangsalszeit statt. Viele Schriftstellen im Alten und im Neuen Testament reden davon. Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, berichtet am Ausführlichsten über diese Zeit. Insgesamt 15 von 21 Kapiteln dieses Buches handeln von der Drangsalszeit. Es ist die Zeit, in der Gott seinen Zorn offenbaren wird. In Rö.1,18 sagt Paulus: "Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen."

Die Gemeinde Jesu wird nicht unter diesen Zorn kommen, weil sie ja schon entrückt wurde und während dieser Zeit bereits im Himmel ist. Doch alle anderen Menschen und auch das Volk Israel werden Gottes Zorn zu spüren bekommen. Es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie sie noch nie gewesen ist und auch nie wieder sein wird. 

Sie wird so schlimm sein, dass Jesus sagte: "wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch
gerettet werden." (Mt.24,22). D.h.: niemand würde überleben. Nach dieser Zeit – Jesus sagte: "gleich nach der Drangsal jener Tage ... wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit." Erden aufrichten – die Zeit des 1000-jährigen Friedensreiches mit Israel als weltweit führende Nation unter der Herrschaft des Messias wird dann anbrechen.

Am Ende dieser Zeit kommt das Endgericht, das so genannte Gericht am großen weißen Thron. Offenbarung 20,11-15 berichten davon. Hier werden alle Gottlosen entsprechend ihren Taten gerichtet und das Ergebnis wird für sie die ewige Verdammnis sein. Sie werden in den Feuersee d.h. in die Hölle geworfen. Danach werden Erde und Himmel vergehen und Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde machen.

Der neue Himmel und die neue Erde werden sich grundsätzlich vom alten Himmel und von der alten Erde unterscheiden, denn nach 2.Petr.3,13 wird auf der neuen Erde die Gerechtigkeit wohnen und nach Offenb.22 wird diese neue Welt ewig existieren und die Knechte Gottes werden in alle Ewigkeit in der Gegenwart Gottes sein. Sie werden für ewig herrschen und für ewig ihrem Gott vor seinem Thron dienen.

Von unserem gegenwärtigen Standpunkt aus gesehen, wird unser Planet Erde also noch insgesamt drei verschiedene Zeitabschnitte erleben: (1) Die Gemeindezeit, (2) die Drangsalszeit und (3) das 1000-jährige Reich. Dann erst ist das Ende dieser Welt gekommen. Dann wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.

Überblick über die Zukunft der Gemeinde

Doch nun zurück zur Gemeinde. Wie bereits gesagt, die Gemeinde wird vor der Drangsalszeit in den Himmel hinein entrückt. Dort wird sie zunächst vor den Richterstuhl des Christus gestellt. Bei diesem Richterstuhl geht es um die Beurteilung der Gläubigen. Alles, was wir gesagt und getan haben, ja, auch alle unsere Gedanken und all das, was wir hätten tun können aber nicht getan haben, wird vor diesem Richterstuhl geprüft und bewertet. In 1.Kor.4,5 heißt es, dass der HERR die Absichten unserer Herzen offenbaren wird. Es wird also alles ans Licht kommen. Nichts wird verborgen bleiben und das Prüfungsergebnis wird vollkommen gerecht ausfallen: Jeder Gläubige bekommt den für seine Werke angemessenen Lohn. Es geht hierbei nicht um unsere Sünden, denn die sind längst gesühnt und vergeben, sondern es geht um die Bewertung unserer Taten als Wiedergeborene und um die Zuteilung des für unsere Taten angemessenen Lohnes. Danach findet dann die offizielle Vereinigungszeremonie der Gemeinde mit dem HERRN Jesus statt: die Hochzeit des Lammes. Die Gemeinde, bislang nur die Braut des Lammes, wird nun zur Ehefrau, zum Weib des Lammes. Das bedeutet, dass die Gemeinde von nun an für ewig mit dem Lamm verbunden, ja, vereinigt ist. 

Die große Aufgabe der Gemeinde besteht nun darin, gemeinsam mit dem Christus zu herrschen, ständig an Seiner Seite zu sein, IHN zu lieben, IHM zu dienen und mit IHM alles zu teilen. Und das nicht nur im 1000-jährigen Reich, sondern darüber hinaus auch in alle Ewigkeit. Ausgehend von diesem in groben Zügen skizzierten Überblick über die Endzeit und die Zukunft der Gemeinde wollen wir uns nun unserem eigentlichen Thema zuwenden und uns eingehend mit dem Ereignis befassen, das die Gemeindezeit auf Erden beenden wird:

Die Entrückung der Gemeinde

Obwohl das Wort "Entrückung" im Zusammenhang mit der Gemeinde Jesu nur 1-mal in der Bibel vorkommt, gibt es doch mehrere Schriftstellen, die von diesem Ereignis reden. Wir werden uns gemeinsam diese Stellen ansehen. Dabei werden wir feststellen, dass diese Schriftstellen jeweils verschiedene Informationen über die Entrückung beinhalten. Wenn wir alle Informationen dieser Schriftstellen zusammenfügen, erhalten wir ein ziemlich vollständiges Bild von der Entrückung.

Informationsquelle Nr. 1:

Der Ablauf der Entrückung (Reihenfolge)

Die erste Schriftstelle steht in 1.Thess.4,16-17. Es ist die klassische und auch die wichtigste Schriftstelle über die Entrückung:

16 Denn der Herr selbst wird

 beim Befehlsruf,

 bei der Stimme eines Erzengels

 und bei <dem Schall> der Posaune Gottes

 hernieder kommen vom Himmel,

 und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen;

17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft;  und so werden wir allezeit beim Herrn sein.

Diese Stelle informiert uns umfassend über den Ablauf der Entrückung. Sie zeigt uns, was alles passiert und in welcher Reihenfolge die einzelnen Schritte der Entrückung ablaufen:

1. Es wird einen Befehlsruf geben

Hier wird nichts darüber ausgesagt, wer den Befehlsruf geben wird. Doch aus Joh.5,29 wissen wir, dass es die Stimme des HERRN Jesus sein wird. Es ist Seine Stimme, die zur Auferstehung ruft. Wenn die Stunde, die allein der Vater weiß, gekommen ist, wird er den Sohn darüber informieren. Dann wird der Sohn den entsprechenden Befehlsruf erteilen. Seine Stimme wird Himmel und Erde sozusagen "in Bewegung" setzen.

2. Die Stimme eines Erzengels wird erschallen

Erzengel sind die ranghöchsten Wesen unter den Engeln. Die Stimme eines Erzengels ist also nicht irgendeine Stimme unter Vielen. Sie hat ein entsprechendes Gewicht. Wir wissen nicht, was der Erzengel rufen wird, es wird uns nicht mitgeteilt. Da aber zuvor ein Befehlsruf vom HERRN ergangen ist, kann man davon ausgehen, dass der Erzengel diesen Befehl seines HERRN wiederholen wird, sozusagen als Bestätigung, dass der Befehl des HERRN klar und eindeutig verstanden worden ist. Auf jeden Fall unterstreicht die Stimme des Erzengels die Autorität und die Verbindlichkeit des vom HERRN erteilten Befehls.

3. Die Posaune Gottes wird geblasen

Auch dieses Signal erinnert an eine soeben in Gang gesetzte militärische Aktion. Die Entrückung wird also mit einem 3-fachen Signal beginnen: Dem Befehlsruf, dem Ruf des Erzengels und der Posaune Gottes. Das alles macht deutlich: dieser Befehl ist unüberhörbar. Er kommt von keinem geringeren Befehlsgeber als von Gott selbst. Dieser Befehl ist verstanden worden und wird mit sofortiger Wirkung vollzogen.

4. der HERR wird vom Himmel hernieder kommen

Nach erfolgter Befehlsgebung wird der HERR selbst aus dem für uns unsichtbaren Himmel in unsere sichtbare Welt kommen. Er wird kommen, um die Gemeinde, die seine Braut ist, abzuholen und zu sich zu nehmen.

5. Die Toten in Christus werden auferstehen

Der Ausdruck "in Christus" betont, dass zur Entrückung nur die Gläubigen auferstehen, die zur Gemeinde Jesu gehören. Die anderen Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes erst später hören und hervorkommen.

6. Alle Gläubigen werden dem HERRN entgegen in die Luft entrückt

Nach der Auferstehung der toten Heiligen werden diese zusammen mit den lebenden Heiligen entrückt. Ohne Ausnahme wird jeder Glaubende von der Erde emporgehoben und mit dem HERRN Jesus in der Luft vereint werden.

7. Die Gemeinde wird allezeit beim HERRN sein

Das Ergebnis der Entrückung wird sein, dass wir immer bei IHM sein werden. Diese Stelle spricht nicht davon, dass wir mit IHM in den Himmel eingehen werden. Dennoch wird es so sein: wir werden zusammen mit unserem HERRN Jesus in den Himmel eingehen. Doch woher wissen wir das?

Informationsquelle Nr. 2:

Das Ziel der Entrückung: das Haus des Vaters im Himmel

Antwort: nur aus Johannes 14! Das mag einige überraschen, vor allem diejenigen, die meinen, in den Evangelien sei überhaupt an keiner Stelle von der Entrückung die Rede, aber dennoch ist es so: Die Tatsache, dass der HERR uns bei der Entrückung mit ins himmlische Vaterhaus nehmen wird, wissen wir nur aus Joh.14,2.3. Diese Stelle informiert uns darüber, dass der HERR uns im Himmel eine Stätte zubereitet hat, und dass er uns dort hin bringen wird: "Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin." (Johannes 14,2-3)

Im Zusammenhang mit der Entrückung ist die Besonderheit dieser Schriftstelle darin zu sehen, dass sie uns über das Ziel unserer Entrückung informiert. Die Frage: wohin werden wir entrückt?, wird in keiner anderen Schriftstelle so klar und so eindeutig beantwortet wie hier in Joh.14. Während 1.Thess.4 uns über den Ablauf der Entrückung informiert, finden wir in Joh.14 die notwendige Information über das Ziel der Entrückung.

Informationsquelle Nr. 3:

Das mit der Entrückung verbundene Geheimnis: unsere Verwandlung

Wir kommen nun zur dritten Schriftstelle zum Thema Entrückung. Diese Stelle wird immer wieder angeführt um zu beweisen, dass in den Evangelien (z.B. Joh.14) ja überhaupt nicht von der Entrückung der Gemeinde die Rede sein kann, denn – so wird behauptet – die Entrückung sei ein Geheimnis, das erst dem Apostel Paulus geoffenbart worden sei und vorher niemandem. Man verweist auf die Worte des Apostels, der geschrieben hat: Siehe ich sage euch ein Geheimnis. Doch wenn wir sorgfältig lesen, stellen wir fest, dass es bei diesem Geheimnis gar nicht um die Entrückung selbst geht, sondern um etwas ganz anderes: das Geheimnis betrifft nicht unsere Entrückung, sondern unsere Verwandlung. "Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Verweslichkeit nicht die Unverweslichkeit erbt. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen." (1. Korinther 15,50-53)

2 x erwähnt der Apostel, dass es hier um die Verwandlung geht. Und das ist wirklich etwas Neues. Einzelne Entrückungen hat es sogar schon im AT gegeben (1 x sogar schon vor der Sintflut), es hat auch schon einzelne Auferstehungen gegeben, aber die Verwandlung von lebenden Menschen – das hat es noch nicht gegeben, das ist etwas völlig Neues. Aber es ist notwendig. Der Apostel erklärt es hier: Das Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen und das Verwesliche muss in Unverweslichkeit verwandelt werden. Großartig! Wenn wir darüber nachdenken, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Wir können nur entrückt werden, wenn wir zuvor passend gemacht wurden für die himmlische Welt. Paulus sagt: Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben, auch die Verweslichkeit kann nicht Unverweslichkeit erben. Du kannst nicht mit einem verweslichen Körper in eine unverwesliche d.h. unvergängliche Welt einziehen. Das passt überhaupt nicht zusammen!! Es muss vorher eine Verwandlung stattfinden. Und was für eine Verwandlung! Nicht nur von der Verweslichkeit zur Unverweslichkeit, sondern auch von der Schwachheit und Gebrechlichkeit zur Kraft und von der Unehre, von der Unzulänglichkeit zur Herrlichkeit! Zur Vollkommenheit! All das geschieht in einem Nu, in einem einzigen Augenblick! Was für eine herrliche Verwandlung! Das wird ein Staunen geben!

Informationsquelle Nr. 4:

Der Zeitraum der Entrückung: vor dem "Tag"

Diese 3 Schriftstellen haben uns schon viele Informationen über die Entrückung gegeben. Manche glauben, dass die Bibel keine weiteren Informationen über die Entrückung enthält. Doch ich glaube, dass der Herr Jesus noch mehr zu diesem Thema gesagt hat: "Ich sage euch: in jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein; einer wird genommen und der andere gelassen werden. Zwei werden zusammen mahlen, die eine wird genommen, die andere gelassen werden." (Lk.17,34-35)

Die Bedeutung dieser Schriftstelle ist umstritten. Die Einen sagen, dass sie von der Entrückung spricht, während die Anderen sagen, dass sie von einem Gericht spricht. Dabei ist unklar, von welchem Gericht diese Stelle spricht, und es ist unklar, ob nun die Genommenen oder die Gelassenen ins Gericht müssen. Was ist nun richtig? Entrückung oder Gericht? Ich glaube, dass hier nur von der Entrückung die Rede sein kann, weil die hier geschilderten Ereignisse nicht an jenem Tag, sondern in jener Nacht stattfinden. Das wird ausdrücklich erwähnt. In Vers 31-33 werden uns Ereignisse geschildert, die an jenem Tag stattfinden, während es in Vers 34+35 um Ereignisse in jener Nacht geht. Das Thema der Verse 31-33 ist die Drangsalszeit. Diese Zeit gehört nach den Worten Jesu zu dem Tag, da der Menschensohn geoffenbart wird (V.30). Das, was in Vers 34+35 steht, gehört aber nicht zum Tag, sondern zur Nacht. Welche Nacht ist hier gemeint?

In der Elberfelder Bibel ist zu lesen "jene" Nacht. Im Grundtext steht hier das griechische Wort "taute" (zu Deutsch: diese). Dieses Wort "taute" finden wir auch in Vers 25 "dieses Geschlecht". In Vers 34 muss es also korrekterweise heißen: in dieser Nacht. Diese Nacht steht im Gegensatz zu jenem Tag (V.31). In Vers 31 steht im Griechischen das Wort "ekeinos" und das heißt tatsächlich "jener". Aber in Vers 34 steht "taute" und das heißt "dieser bzw. diese". Der Herr Jesus spricht also von dieser Nacht und meint damit unsere jetzige Zeit. Wir leben – bildlich gesprochen – in der Nacht und warten auf den Tag. Die Zeit, in der wir heute leben, wird im NT als Nacht bezeichnet. Gemeindezeit ist Nachtzeit. Diese Wahrheit geht aus vielen Stellen des NT hervor z.B. aus 2.Petr.1,19, wo Petrus uns ermuntert, auf das Wort Gottes zu achten wie auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht.

Wenn der Herr Jesus in Lk.17,34 von dieser Nacht sprach, dann kann das hier geschilderte Ereignis (einer wird genommen und einer wird gelassen) nur die Entrückung meinen. Dann aber ist zugleich gesagt, dass die Entrückung noch vor der Drangsalszeit stattfinden wird, denn die Drangsalszeit gehört nicht zu dieser Nacht. Sie gehört schon zu jenem Tag. Die Nacht, von der Jesus sprach, muss erst zu Ende gehen, dann erst wird der Tag (und damit auch die siebenjährige Drangsalszeit) kommen. Aber in der Nacht – vor dem Tag – werden wir entrückt.

Das ist eine wunderbare Wahrheit, die sich natürlich auch aus der Kombination anderer Schriftstellen ergibt, aber nirgends so direkt ausgesagt wird wie hier in Lk.17. Lukas 17,34 informiert uns also darüber, dass die Entrückung noch vor der Drangsalszeit stattfinden wird. Noch in dieser Nacht. Dieser Befund ergibt sich auch aus dem Gedankengang bzw. der temporalen (Wiederholungs-) Struktur der Rede Jesu. Diese Rede ist dadurch gekennzeichnet, dass ER zunächst von dem spricht, was "an dem Tag" geschieht. Dann spricht ER von einer Zeit "vor dem Tag". Diese Zeit verläuft unterbrechungsfrei "bis zu dem Tag". Danach ist wieder von Ereignissen die Rede, die "an dem Tag" stattfinden. Anschließend spricht der Herr wieder von einer Zeit "vor dem Tag" (die Nacht vor dem Tag).

...23 ...man wird zu euch sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Geht nicht hin ...24 Denn
wie der Blitz blitzend leuchtet ...so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.

25 Vorher aber muss er ...verworfen werden von diesem (tauth) Geschlecht. 26 Und

...27 sie aßen, sie tranken ...bis zu d, da ...die Flut kam ...30 Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Menschensohn geoffenbart wird. 31 An jenem (ekeinh) Tag – wer auf dem Dach sein wird ... der steige nicht hinab ... 33 Wer sein Leben zur retten sucht, wird es verlieren; und wer es verliert, wird es erhalten.

[in jener bzw.] in dieser (tauth) Nacht werden zwei auf einem Bett sein; ...35 Zwei werden zusammen mahlen, die eine wird genommen, die andere gelassen werden.

Informationsquelle Nr. 5:

Die Wirkung der Entrückung auf die "Welt": sie werden es nicht erkennen

Wer die Entrückung in Lk.17 gefunden hat, der findet sie natürlich auch in Mt.24. "Denn wie sie in den Tagen vor der Flut waren: sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten, bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging, und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und einer gelassen; zwei <Frauen> werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine wird gelassen. Wacht also, denn ihr wißt nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt." (Mt.24,38-42)

In dieser Stelle ist von der Ankunft des Menschensohnes die Rede. Es geht um die Frage, wie diese Ankunft sein wird. Wenn man das 24. Kapitel aufmerksam liest, stellt man fest, dass die Frage, wie die Ankunft Jesu

sein wird, hier zweimal beantwortet wird (V.27 und V.39): 27 Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. ... 30 ... und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. ...37 Aber ... 38 ... wie sie in den Tagen vor der Flut waren: sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten, bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging, 39 und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. 40 Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und einer gelassen; 41 zwei <Frauen> werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine wird gelassen. 42 Wacht also, denn ihr wißt nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt.

Mt.24 enthält also zwei Aussagen zum "wie" der Ankunft Jesu. Vergleichen wir diese beiden Aussagen miteinander, fällt sofort auf, dass sie einander entgegengesetzt sind. Sie scheinen einander zu widersprechen. In V.37 wird gesagt, dass die Ankunft Jesu wie ein leuchtender Blitz sein wird, ein Ereignis, das von allen Menschen wahrgenommen wird. Leuchtende Blitze sind so grell, dass man sie sogar mit geschlossenen Augen wahrnehmen kann. Dagegen wird in Vers 39 die Ankunft Jesu als ein Ereignis beschrieben, das man nicht erkennen wird. Es wird so sein wie der Eingang Noahs in die Arche. Das war ein schlichtes Ereignis, das keinerlei Aufsehen erregte. Die Bibel sagt: die Menschen zur Zeit Noahs erkannten es nicht. So wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein.

Haben wir hier nicht ein echtes Paradoxon, einen echten Widerspruch? Wie kann das sein? Einerseits – die Ankunft Jesu wie ein leuchtender Blitz – und andererseits eine unerkannte, eine heimliche Ankunft? Nun, dieser Widerspruch ist nur auflösbar, wenn man davon ausgeht, dass hier in Mt.24 von zwei verschiedenen Kommen Jesu die Rede ist. Das ist tatsächlich der Fall. Wir erinnern uns: 

Phase a) des Kommens Jesu ist Sein Kommen vor der Drangsalszeit zur Entrückung der Gemeinde. Diese Phase
wird in den Versen 37-42 beschrieben.

Phase b) des Kommens Jesu ist Sein Kommen nach der Drangsalszeit in Macht und Herrlichkeit zur Aufrichtung Seines irdischen Reiches. Von dieser Phase ist in den Versen 27-31 die Rede.

Der Vers 40 ist natürlich eine direkte Parallelstelle zu Lk.17,34. Die Parallelität dieser beiden Stellen bestätigt deshalb die Tatsache, dass diese Stellen von der Entrückung reden. Der Beweis ist sowohl über Mt.24 als auch über Lk.17 möglich und die Parallelität dieser Stellen bestätigt diesen Befund.

Jetzt fragen wir uns: welche besondere Information über die Entrückung ist hier in Mt.24 enthalten? Ich denke, hier wird uns besonders der Überraschungseffekt der Entrückung gezeigt. Die Entrückung wird ohne jede Vorankündigung, ganz plötzlich und mitten aus unserem Alltag heraus stattfinden. Zwei Männer werden auf dem Feld arbeiten und plötzlich ist einer der beiden verschwunden. Zwei Frauen sitzen an einer Mühle und plötzlich ist eine Frau einfach weg. Es gibt keine Spuren, keine Fußabdrücke, kein Wind, kein Geräusch – nichts – für die Zurückbleibenden gibt es nichts zu sehen und nichts zu hören: die Christen sind ganz plötzlich einfach verschwunden. Diesen überraschenden Vollzug, diese Plötzlichkeit mitten aus dem Alltag heraus, diese Information, dieses Wissen haben wir nur aus den Worten Jesu. So deutlich wie der HERR hat der Apostel Paulus uns diese Information nicht gegeben.

Und noch eins wird uns klar: Die Reaktion der Allgemeinheit, die Reaktion der Welt wird Unverständnis sein: Jesus sagt: Wenn die Entrückung geschieht, werden sie es nicht erkennen. Obwohl die Entrückung mit einem 3-fachen akustischen Signal (Befehlsruf, Stimme des Engels und Posaune Gottes) eingeleitet wird, wird die Welt diese Signale nicht wahrnehmen. Nur die Betroffenen, nur die Gläubigen werden die Stimme des Menschensohnes hören und werden dabei sein, wenn der HERR kommt, um sie mit sich zu nehmen hinein ins himmlische Vaterhaus. Die Welt wird nicht erkennen, was hier passiert.

So gesehen enthalten die Evangelien Informationen darüber, was bei der Entrückung in der sichtbaren Welt passiert, während die Briefe uns zeigen, was bei der Entrückung in der unsichtbaren Welt passiert.

Zusammenfassung:

Die Informationen der Bibel zur Entrückung der Gemeinde

Der Ablauf (1.Thess.4,16-17)  7 Schritte

Das Ziel (Joh.14,2-3)  wohin werden wir entrückt?

Das Geheimnis (1.Kor.15,51-53)  unsere Verwandlung

Der Zeitpunkt (Lk.17,34)  wann findet die Entrückung statt?

Der überraschende Vollzug (Mt.24,40-42/Apg.8,39)  plötzlich: mitten aus dem Alltag heraus

Die Reaktion der Welt (Mt.24,38-39)  Unverständnis: sie erkennen es nicht

Bernd Grunwald

Krefeld, März/April 2005