johannes524   zeugnis über das leben und die freiheit            

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johannes524

 

 

 

 

 

 


schlimme Sünder müssen nicht verloren gehen....

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HINTER DEN KULISSEN DES NÜRNBERGER GERICHTSHOFES

Am 12. November 1945 wurde ich nach Nürnberg
abkommandiert und der "6580. inneren
Sicherheitsabteilung" zugewiesen, wo ich der
geistliche Berater der dort inhaftierten hohen Nazis
sein sollte, die vor Gericht gestellt werden sollten.
Wie konnte ich diesen Männern gegenübertreten, die der
Welt so viel Herzeleid bereitet hatten, die Führer in
einem Weltkrieg gewesen waren, der Millionen Menschen
das Leben gekostet hatte? Schließlich waren ja auch
unsere beiden Jungen in diesem Kamp zusammen mit
Millionen junger Männer unseres Landes.
Wie sollte ich an diesen Gefangenen arbeiten, ohne das
Wirken des Wortes Gottes in ihren Herzen zu hindern ?
Wie würden sie sich verhalten? - Mein Kollege schlug
vor, mit unseren Besuchen bei dem Anführer der Gruppe
zu beginnen. Er führte mich zu Görings Zelle. Es war
schwierig für mich, mit diesen Männern in deutscher
Sprache zu sprechen, da ich seit meiner Kindheit nicht
mehr deutsch gesprochen hatte. Bei unserem Eintritt
sprang Göring auf und schlug die Hacken zusammen. Ich
reichte ihm die Hand. Nachdem ich bei allen anderen
eingeführt worden war. Es war vor Beginn der
Gerichtssitzung am 20. November. In jener Nacht musste
ich Jesum um eine besondere Ausrüstung anflehen, ohne
die ich meine Aufgabe nicht erfüllen konnte. Von dem
Augenblick an beschloss ich, wohl die Sünden zu
hassen, aber die Sünder zu lieben. Ich musste daran
denken, dass auch Gott die Sünder liebt. Diese Männer
sollten erfahren, wie der Heiland auf Erden
segensreich gewirkt, wie er gelitten hatte und auch
für sie am Kreuz gestorben ist. Es waren einundzwanzig
Angeklagte. Sechs von ihnen gehörten der katholischen
Kirche an, während fünfzehn dem protestantischen
Glauben lutherischer Prägung zuneigten. Sieben von den
fünfzehn Protestanten waren Abendmahlsgäste der
lutherischen Kirche. Streicher, Jodl, Heß und
Rosenberg besuchten nie die Gottesdienste, obgleich
sie behaupteten, an einen Gott zu glauben. Kaplan
O'Connor, New York, war der katholische Priester für
die Männer, die diese Kirche vorzogen. Eine kleine,
aus zwei Zellen bestehende Kapelle im zweiten
Stockwerk wurde für die Gottesdienste eingerichtet.
Ein ehemaliger Oberstleutnant der SS war Organist. Da
er beiden Geistlichen diente, hatte er reichlich zu
tun. Gegen Ende meines Aufenthaltes erneuerte er sein
Gelübde mit der protestantischen Kirche und feierte
Abendmahl. Die schlichte Botschaft vom Kreuz hatte
sein Herz umgewandelt. Frank, Seyß-Inquart,
Kaltenbrunner und von Papen besuchten den katholischen
Gottesdienst, Keitel, Ribbentrop, Raeder, Dönitz,
Neurath, Speer, Schacht, Frick, Funk, Fritzsche,
Schirach, Sauckel und Göring kamen zu meinen
Gottesdiensten. Folgende feierten während ihres
Aufenthaltes im Gefängnis das Abendmahl: Keitel,
Ribbentrop, Sauckel, Raeder, Speer, Fritzsche und
Schirach. Unser protestantischer Gottesdienst bestand
aus drei Chorälen, Schriftvorlesung, Predigt, Gebet
und Segen. Die Männer waren wirklich andächtig und
verursachten niemals die geringste Störung.

Die Geistlichen besuchen die Gefangenen

Es muss festgestellt werden, dass von keinem der
Angeklagten gefordert wurde, die Besuche der
Geistlichen zu empfangen. Wir fragten gewöhnlich an,
ob sie unseren Besuch wünschten. Oft fanden wir in
unserem Büro Zettel vor, die die Wachtposten dorthin
gebracht hatten, dass gewisse Männer uns bei unserem
Besuchsgang durch das Gefängnis sprechen wollten. Vor
der Zelle jedes Gefangenen stand Tag und Nacht
ununterbrochen ein Wachtposten. Durch die Türe wurde
Licht auf die Gefangenen gerichtet, damit sie ihre
Dokumente vorbereiten und lesen konnten. Wächter und
Gefangene durften laut strengem Befehl der
kommandierenden Offiziere nicht miteinander sprechen.
Die Gefangenen waren täglich, außer Sonnabend, eine
Zeitlang im Hof. Nach Rückkehr in ihre Zellen und nach
dem Abendessen wurden sie gewöhnlich von den
Geistlichen besucht, bis die Lichter abgeblendet
wurden.
Während die Gefangenen schliefen, blieb das Licht auf
sie gerichtet. Wenn ein Gefangener sich vom Licht weg
zur Wand wenden wollte, pflegte die Wache ihn zu
wecken und umzudrehen, damit man sein Gesicht sehen
konnte.

Abendmahlsfeier

Mein erster Abendmahlsgast war der Arbeitsminister
Sauckel. Wie alle anderen war er immer sehr höflich zu
mir. Sauckel hatte elf Kinder, von denen zehn lebten.
Ein Sohn war im Krieg gefallen. Er erzählte mir zuerst
viel Freundliches von seiner treuen Frau und der Liebe
seiner Kinder, und dann besprachen wir seine
geistlichen Anliegen. Meist lasen wir zusammen die
Bibel und sprachen ein kurzes Gebet. Dabei knieten wir
zusammen an seinem Bett, so wollte er es haben. Oft
schloss er das Gebet mit den Worten des Zöllners:
"Gott, sei mir Sünder gnädig!" Ich hatte allen Grund
zu glauben, dass er es ernst meinte. Die nächsten, die
um das Abendmahl baten, waren Fritzsche, Schirach und
Speer. Es rührte mich tief, als ich die drei
breitschultrigen Männer vor dem Altar knien sah, um
das Abendmahl zu empfangen. Ich bin gewiss, dass Gott
durch das Wort, das ihnen gelesen und gepredigt worden
ist, ihre Herzen umgewandelt hat und dass sie, wie
jeder reuige Sünder, bereit waren, Gottes Vergebung um
Christi willen zu erbitten. ­

Ein weiterer Abendmahlsgast war Raeder, der ehemalige
Oberbefehlshaber der Flotte. Er forschte eifrig in der
Bibel und hatte gewöhnlich Fragen daraus für und den
Gefangenen einen Geistlichen zugewiesen hatte. Einmal
bat er mich , den Christen in Amerika zu danken, dass
sie ihnen einen Seelsorger geschickt hatten. Nachdem
er sich gründlich über das Abendmahl unterrichtet
hatte, bat er darum, ob er es unter meiner Leitung
mitfeiern dürfe.
Er wählte mit feinem Verständnis Bibelstellen, Choräle
und Gebete aus und las sie laut vor.
Er schämte sich auch nicht, an seinem Bett kniend, mir
seine Sünden zu beichten.
Mit tränenerstickter Stimme sagte er: "Sie haben mir
mehr geholfen als Sie ahnen. Möchte Christus, mein
Heiland, mir auf dem ganzen Weg beistehen. Ich werde
Ihn brauchen!"

Kann ein Mann gleichzeitig Christ und Vaterlandsfreund
sein?

Ribbentrop stand mir sehr freundlich gegenüber,
solange ich das Thema Christentum und Kirche nicht
berührte. In demselben Augenblick, in dem ich darauf
zu sprechen kam, fand ich ihn recht gleichgültig gegen
wahre Religion und die Grundlehren christlichen
Glaubens und Gottesdienstes. Im Laufe der täglichen
Besuche jedoch fing er an Fragen zu stellen. Die eine,
die ihm am wichtigsten
vorkam und ihn am meisten beunruhigte, war die: "Kann
ein Mann gleichzeitig Christ und Vaterlandsfreund
sein?" Meine übliche Antwort auf diese Frage war etwa
folgende: "Natürlich können Sie Vaterlandsfreund und
Christ sein, vorausgesetzt, Sie handeln entsprechend
Römer 13 und Sie geraten nicht mit Apg. 5,29 in
Widerspruch. Die erste Stelle gibt an, was Sie Ihrer
Regierung schuldig sind und wie Sie als Christ treu
sein müssen. Die zweite betont die Anwendung auf die
christliche Vaterlandsliebe und sagt, dass man Gott
mehr gehorchen muss als den Menschen." Nach einigen
Monaten begann Ribbentrop in der Schrift zu forschen
und die Bedeutung des christlichen Lebens zu erfassen.

Das Urteil und das letzte Wort

Alle Lampen und Scheinwerfer brannten im überfüllten
Verhandlungssaal des Nürnberger Justizpalastes, als
Lord Lawrence im Gerichtssaal erschien, um allen
Angeklagten die "große Chance des letzten Wortes" zu
geben. Zum letzten Male durften alle Angeklagten von
der Anklagebank aus der Reihe nach vor der
Öffentlichkeit ihr Schlusswort sprechen. Ein
weißbehandschuhter Militärpolizist reichte zu dem
Zweck den einzelnen das Mikrophon. Zuerst sprach
Göring. Aber es war nicht mehr der selbstbewusste,
zynische Göring von einst. - Sodann nahm Speer das
Wort. Er sprach voller Verantwortungsbewusstsein,
jedoch nicht über sein eigenes Schicksal. - Funk und
Sauckel redeten sichtlich bewegt, aggressiv Schacht. -
Frank sprach leidenschaftlich von Gott und Schuld,
genau so leidenschaftlich wie einst auf den
Parteitagen. Er bekannte im Schlusswort: "Wir haben am
Anfang unseres Weges nicht geahnt, dass die Abwendung
von Gott solche verderblichen, tödlichen Folgen haben
könnte, und dass wir gezwungenermaßen immer tiefer in
Schuld verstrickt werden könnten. Wir haben es damals
nicht wissen können, dass so viel Treue und Opfersinn
des deutschen Volkes von uns schlecht verwaltet werden
könnten; so sind wir in der Abwendung von Gott
zuschanden geworden und mussten untergehen. Es waren
nicht technische Mängel und unglückliche Umstände
allein, wodurch wir den Krieg verloren haben - es war
auch nicht Unglück und Verrat: Gott vor allem hat das
Urteil über Hitler gesprochen und vollzogen, über ihn
und das System, dem wir in gottferner Geisteshaltung
dienten. Darum möge unser Volk von dem Wege
zurückgerufen werden, auf den Hitler und wir mit ihm
es geführt haben. Ich bitte unser Volk, dass es nicht
verharrt in dieser Entwicklung und nicht
weiterschreitet in dieser Richtung, auch nicht einen
Schritt. Denn Hitlers Weg war der vermessene Weg ohne
Gott, der Weg der Abwendung von Christus und in allem
letzten Endes der Weg der politischen Torheit, der Weg
des Verderbens und des Todes.
"Keitel bekannte sich schuldig und schloss mit den
Worten: "Ich habe geirrt und war nicht imstande zu
verhindern, was hätte verhindert werden müssen. Das
ist meine Schuld."
So kamen sämtliche einundzwanzig Angeklagten zu Wort.
Dann wurden die Akten geschlossen.
Das letzte Wort war gefallen. Jeder Angeklagte wurde
wieder in seinen Gewahrsam zurückgebracht.
Die folgenden Angeklagten wurden zum Tode verurteilt:
Göring, Ribbentrop, Keitel, Kaltenbrunner, Sauckel,
Rosenberg, Frank, Frick, Streicher und Seyß-Inquart;
folgende erhielten lebenslängliche Haft: Heß, Funk,
Raeder; Schirach und Speer wurden zu zwanzig Jahren,
Neurath zu fünfzehn und Dönitz zu zehn Jahren
Gefängnis verurteilt. Von Papen, Schacht und Fritzsche
wurden vom
Militärgericht freigesprochen. Die Gefangenen nahmen
ihr Urteil wie Soldaten auf, und, soweit ich sehen
konnte, zuckte keiner zusammen, als er seinen
Richterspruch vernahm. Dieser Tag wurde in den Akten
des Gerichts als "Urteilstag" bezeichnet: 16. Oktober
1946. Die Geistlichen widmeten den größten Teil ihrer
Zeit den Besuchen der Männer, die zum Tode verurteilt
waren. Jeder dieser todgeweihten Männer glaubte
bestimmt, dass die Hinrichtung am Mittwoch, dem 16.
Oktober stattfinden würde, und jeder wollte wissen, zu
welcher Tageszeit sie in die Ewigkeit eingehen
müssten. Nun war noch eine überraschende Anordnung
getroffen; mit Erlaubnis des Großen Kontrollrates der
vier Mächte sollten die Verurteilten, wenn sie es
wünschten, noch einmal Gelegenheit haben, mit ihren
Frauen zu sprechen. Das waren bittere Stunden für die
Verurteilten und ihre Angehörigen, aber auch für uns
Seelsorger. Ich hörte, wie Ribbentrop seine Frau
ernstlich bat, dass seine Kinder in der Kirche bleiben
und in der Zucht und Vermahnung zum Herrn erzogen
werden sollten. Diese Feststellung ist mir besonders
bemerkenswert, weil sie von Ribbentrop stammt und wir
am Anfang unserer Arbeit entdeckt hatten, dass die
ganze Familie sich von der Kirche zurückgezogen hatte.
Während Ribbentrops Haft leiteten wir alles für die
Taufe seiner drei Kinder ein. Frau Sauckel versprach
ihrem Mann, dass ihre zehn Kinder bei dem gekreuzigten
Jesus bleiben sollten. Göring fragte seine Frau, was
seine Edda über die ganze Lage gesagt habe. Sie
erwiderte, Edda habe gesagt, sie wolle ihren Vati im
Himmel wiedersehen. In diesem Augenblick stand Göring
auf und wandte sich zum Gehen und zum erstenmal sah
ich Tränen über seine Wangen laufen. Als ich ihn ein
wenig später in seiner Zelle aufsuchte, sagte er, er
sei schon gestorben, als er seine Frau oben verlassen
hätte. Von jenem Tag an waren wir fast Tag und Nacht
bei den Verurteilten. Einige von ihnen baten mich vier
bis fünfmal am Tag, zu ihnen hereinzukommen.
Ribbentrop las fast die ganze Zeit in der Bibel.
Keitel zeigte besonderes Interesse für gewisse
Bibelstellen und Choräle, die von der Liebe Gottes
durch das versöhnende Blut Christi sprachen. Sauckel
war sehr aufgeregt. Er war so abgespannt, dass ich
fürchtete, er würde dem Druck nicht standhalten. Er
betete oft laut und schloss unsere Andachten immer:
"Gott, sei mir Sünder gnädig!"
Diese drei feierten mit mir das Abendmahl in ihren
Zellen. Gott hatte während der ganzen Zeit ihre Herzen
gewandelt, und jetzt, da sie alles Irdische, ja selbst
ihr Leben verlieren sollten, konnten sie das
Versprechen annehmen, dass Gott reuigen Sündern durch
Jesu Opfertod vergeben hatte, und glauben, dass Jesu
ihre sündenbelasteten Seelen von ihrer Schuld befreien
würde.

Görings Selbstmord

Am 16. Oktober herrschte große Aufregung. Die
Geistlichen gingen von Zelle zu Zelle und blieben bei
jedem Verurteilten einige Augenblicke, um zu hören,
wie jeder sein Herz von seiner Last zu befreien
suchte, weil er wusste, dass er bald zur Ewigkeit
eingehen würde. An jenem Abend um 20.30 Uhr hatte ich
eine lange Unterredung mit Göring. Ich versuchte ihn
bei dem Thema ewiger Werte
festzuhalten und ihm zu zeigen, wie ein Mensch sich
zum Sterben bereitmachen kann, bereit, seinem Gott zu
begegnen. Im Laufe der Unterredung fand ich, dass
Göring über die biblische Darstellung der Erschaffung
des Menschen spottete. Er machte über die Lehre von
der wörtlichen Eingebung der Schrift spöttische
Bemerkungen und weigerte sich, die große Grundlehre
des Evangeliums, dass Jesus für jeden Sünder gestorben
ist, anzunehmen. Es war eine offene Ablehnung der
Macht des Kreuzes und der Bedeutung des unschuldigen
Blutes, das am Kreuz zur Erlösung der Sünder vergossen
wurde. Er sagte, er glaube, dass mit dem Tode alles
aus sei. Da bat ich ihn, daran zu denken, was seine
kleine Tochter gesagt hatte, sie wolle ihren Vater im
Himmel wiedersehen; aber er antwortete uns: "Sie
glaubt an ihren Heiland, aber ich muss es darauf
ankommen lassen." Weiter sagte er nichts mehr, und ich
verließ ihn zum letzten Male. Etwa um 22.35 Uhr
erschien eine Wache im Wachlokal und erklärte mit
erregter Stimme, dass Göring einen Anfall habe. Er lag
auf dem Boden. Ich sprach mit ihm, aber obgleich sein
Puls noch zu schlagen schien, gab er keine Antwort.
Eine kleine leere Patrone lag auf seiner Brust. So
starb er.

Tod

Um Mitternacht wurde den Verurteilten noch einmal der
Anklage und Richterspruch verlesen. Eine letzte
Mahlzeit wurde ihnen angeboten. Nur wenige aßen. Da
Göring sich das Leben genommen hatte, war Ribbentrop
der erste, der den Weg zum Galgen antrat. Ehe er seine
Zelle verließ, verbrachte ich einige Minuten mit ihm
in Gebet und Fürbitte und hörte ihn sagen, dass er
sein ganzes Vertrauen auf das Blut des Lammes setze,
das die Sünden der Welt hinwegnimmt. Noch in seiner
Zelle bat er Gott, Erbarmen mit seiner Seele zu haben.
Dann ertönte das Signal, und er musste den Korridor
entlang zum Hinrichtungsraum gehen. Er ging zwischen
zwei Wachen; die Geistlichen schritten unmittelbar vor
ihm, an der Spitze der diensttuende Offizier. Wir
gingen durch die Tür in den Hof und traten mit dem
Gefangenen in den Hinrichtungsraum. Seine Hände waren
gefesselt. Er wurde sogleich zu dem ersten Galgen
geführt, wo er am Fuß der dreizehn Stufen stehenslieb.
Auf Verlangen des diensttuenden Offiziers nannte er
seinen Namen und wurde auf den Galgen geführt, wo er
auf die Falltür trat, den kaltblütigen Zuschauern
gegenüber, die sich als Zeugen der Hinrichtung
versammelt hatten. Ein Wächter band ihm die Füße,
während ein Offizier ihn fragte, ob er noch ein
letztes Wort sagen wolle, worauf er sich an mich wegen
eines letzten Gebetes wandte. Im Augenblick, als das
Amen gesagt war, zog man ihm die schwarze Kapuze über
das Gesicht, der große Knoten von dreizehn Stricken
wurde hinter seinem Kopf zusammengezogen, und dann
fiel er durch die Falltür. Die Geistlichen gingen
zurück zum Gefängniskorridor und warteten dort auf das
Signal für den zweiten Verurteilten. Das war Keitel,
der Oberbefehlshaber der Wehrmacht. In seiner Zelle
hielten wir eine kurze Andacht mit Gebet, ehe wir den
letzten Gang mit ihm antraten. Als wir in den
Hinrichtungsraum kamen, schickte Keitel schnell einen
Blick zum ersten Galgen. Dieser Blick sagte mir, dass
er wusste, dort hing sein Freund Ribbentrop. Wir
stiegen die Stufen zum zweiten Galgen hinan, Keitel
sprach ein Schlusswort, dem mein letztes Gebet folgte.
Er antwortete mit der Feststellung: Ich danke Ihnen
von ganzem Herzen. Der katholische Geistliche
begleitete den nächsten Verurteilten zum Galgen,
während ich nahe dabeistand, nahe der Türe. Die zwei
Geistlichen machten zehnmal den Weg und machten so die
letzte Meile mit jedem Gefangenen.
Als das Zeichen ertönte, dass Sauckel hereingebracht
werden sollte, fühlte ich, wie mein Herzschlag
aussetzte. Dieser Verurteilte war am Tage zuvor und
besonders am Abend recht aufgeregt gewesen, und es war
offensichtlich, dass es ihm schwer wurde, sich zu
beherrschen. Während er auf der Falltüre stand, sagte
er etwas von seinen zehn Kindern und ihrer Mutter. Das
erschütterte mich sehr,
und für einen Augenblick konnte ich nicht weiter.
Schließlich war es mir doch noch möglich, das
Schlussgebet zu sprechen, wonach er schnell zur
Ewigkeit einging. Während ich in Fricks Zelle eine
kurze Andacht hielt und Zeichen von Erschöpfungen
merken ließ, versicherte mir Frick, dass er in unserem
schlichten Gottesdienst seinen Heiland gefunden habe.
Er sagte, er glaube, dass Jesu Blut
seine Sünden hinweggewaschen habe. Als er auf der
Falltüre stand, hatte er wenig zu sagen, und wir
beschlossen sein Leben mit einem kurzen Gebet für
seine Seele. Der letzte meiner Gruppe war Rosenberg,
der konsequent alle geistliche Beeinflussung abgelehnt
hatte. Er wollte kein Schlusswort sprechen, und als
ich ihn bat, ein letztes Gebet zu sprechen, lächelte
er und sagte: "Nein, danke." Er
lebte ohne einen Heiland, und so starb er auch. Ich
möchte noch Streicher erwähnen. Er weigerte sich
zunächst, seinen Namen zu nennen, und als er die
dreizehn Stufen hinaufging, grüßte er: "Heil Hitler!"
Obgleich er dem katholischen Geistlichen erlaubte, ihn
zur Falltür zu begleiten, wies er doch jeden
geistlichen Trost zurück. Er glitt durch die Falltür,
indem er nach seiner Frau rief. Es war jetzt etwas
nach drei Uhr morgens. Die Geistlichen gingen in
getrennte Zellen zu persönlichem Gebet und privater
Andacht. Dann warteten wir mehrere Stunden, ehe wir
zum Gebet in den Hinrichtungsraum zurückkehrten. Jetzt
ist alles vorüber: Anklage, Prozess und Hinrichtung.

Die einzelnen stehen nun vor dem Tribunal des
Weltenrichters, dem Ursprung aller Gerechtigkeit. Wie
wird es ihnen ergehen? Uns allen sei dies daher eine
besondere Warnung, in guten und gesunden Tagen den
ewigen Gott mit Gleichgültigkeit und Geringschätzung
abzutun! Das rächt sich schwer! Für jeden von uns naht
früher oder später auch die "letzte Stunde", in der er
mit einem mehr oder weniger schuldbeladenen Gewissen
vor den ewigen Richter treten muss. Und dann? Diese
peinigende Ungewissheit hat schon manchem
verzweiflungsvolle Stunden bereitet. Demgegenüber aber
sei betont, dass es möglich ist, mit einem
wunderbaren, tiefen Gottesfrieden durchs Leben zu
gehen und selbst im Sterben zu wissen: Mir ist
Erbarmung widerfahren! Es geht jetzt heim zur ewigen
Heimat!